Praxis für Physiotherapie für Hunde und Pferde
- Es ist nicht die Behandlung, sondern die Hand die sie durchführt -

Kissing Spines

Definition

Das Kissing Spines Syndrom oder auch thorakolumbale interspinale Syndrom (TLI-Syndrom) ist die am häufigsten diagnostizierte Rückenerkrankung beim Pferd. Unter diesen Oberbegriff fallen im Detail die krankhafte Annäherung der Dornfortsätze bis hin zur Berührung, Veränderungen im Ansatzbereich von Sehnen und Bändern an den Dornfortsätzen, Zysten oder zystenartige Veränderungen sowie leistenartige knöcherne Zubildungen in der Mitte der Dornfortsätze. In den meisten Fällen sind die Fortsätze vom zehnten Brustwirbel bis zum vierten Lendenwirbel betroffen. Im Bereich der Brustwirbel ist die Wirbelsäule besonders beweglich und die Dornfortsätze sind ziemlich lang. Wenn das Pferd also den Rücken "wegdrückt", nähern sich die Dornfortsätze hier besonders schnell an. Das kann zu schmerzhaften Reibungen und in manchen Fällen sogar zu entzündlichen Prozessen zwischen den einzelnen Wirbeln führen.

Ursachen

Kissing Spines machen sich meist zwischen dem sechsten und dem neunten Lebensjahr bemerkbar, manchmal sogar schon früher. Diese Rückenerkrankung kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Bei manchen Pferden stehen die Dornfortsätze von Natur aus enger. Diese sind, ebenso wie Pferde mit Senkrücken und wenig ausgebildeter Rückenmuskulatur, prinzipiell anfälliger für eine Ausbildung von Kissing Spines. Weitere mögliche begünstigende Faktoren können beispielsweise Schäden am Bandapparat bzw. an der Muskulatur des Rückens sowie Stürze oder ein Überschlagen sein. Leider sind auch Ausbildungs- bzw. Reiterfehler nicht selten der Auslöser von Kissing Spines. Werden die Pferde zu früh angeritten oder wird ihnen zu früh zu viel abverlangt, kann das die Wirbel irreversibel schädigen. Eine zu harte Reiterhand, fehlende Dehnung sowie mangelnde Aufwölbung des Rückens in der täglichen Arbeit können ebenfalls zu krankhaften Veränderungen an den Dornfortsätzen führen.

Pferde reagieren auf Rückenschmerzen sehr unterschiedlich. Als Leitsymptom gilt eine verminderte Leistungsfähigkeit. Daneben kann es unter anderem zu folgenden Begleiterscheinungen kommen:

  • Empfindlichkeit beim Putzen / Abtasten des      Rückens
  • Durchdrücken des Rückens beim Aufsteigen /      Anreiten
  • Sattel- und- / oder Gurtzwang
  • Arbeitsunlust
  • Taktfehler
  • schief getragener Schweif
  • Rittigkeitsprobleme
  • schwungloser Gang
  • eingeschränkte Hinterhandaktivität
  • Springen „ohne Rücken“
  • Verweigern vor dem Sprung
  • „Wegrennen“ bei bestimmten Lektionen
  • Unwilligkeit beim Beschlagen, Schwierigkeiten      beim Urin- oder Kotabsatz
  • Widerwille sich in der Box zu legen oder sich zu      wälzen

Doch Achtung, manchmal kann hinter den eben genannten Symptomen auch etwas ganz anderes stecken: Untugenden des Pferdes zum Beispiel, aber auch Erkrankungen des Kreuzbeines, der Kruppenmuskulatur, der Zähne oder der Halswirbelsäule sowie ein unpassender Sattel und auch schlichtweg ein schlechter Sitz oder andere Reiterfehler. 

Diagnose

Hinter Rückenschmerzen können sich neben Kissing Spines diverse andere Ursachen wie Verspannungen, Arthrosen oder Satteldruck verbergen. Deshalb sollte man bei der Diagnose akribisch und schrittweise vorgehen. Schon der erste Blick auf den Rücken hinsichtlich Narben, Satteldruck, Veränderungen des Fells, Erhebungen usw. lässt den einen oder anderen Hinweis auf die Ursache der Rückenschmerzen erkennen. Ist der Pferderücken übermäßig druckempfindlich? Ist er ausreichend beweglich? Diese Fragen kann am besten der Tierarzt beantworten. Dazu sollte er sich das Pferd in der Bewegung auf hartem und weichem Boden, an der Longe und unter dem Reiter, je nach Einsatz auch bei der dressurmäßigen Arbeit oder am Sprung ansehen. Weiterführend gibt eine Röntgenuntersuchung Aufschluss über knöcherne Veränderungen an den Dornfortsätzen.

Um ganz sicher zu gehen, erweist sich – wenn möglich – eine Szintigraphie als sinnvoll. Damit können auch kleinere störende Fehlbildungen erkannt werden. Dazu kommt, dass die hinteren Abschnitte der Wirbelsäule röntgenologisch nur sehr schwer, szintigraphisch aber um einiges besser einsehbar sind. Um das Fortschreiten der Erkrankung der Dornfortsätze einzudämmen, sollte zunächst ein spezieller Trainingsplan erstellt werden, um die Belastung optimal an die Veränderungen des Rückens anzupassen. Vorwärts-abwärts lautet nun die Devise – sowohl unter dem Reiter als auch an der Longe. Das lockert die bestehende Muskulatur und regt auch den Muskelaufbau an. Denn nur mit Hilfe einer gut gearbeiteten Muskulatur kann die deformierte Wirbelsäule effektiv entlastet und gestützt werden. Der Trainingsplan beinhaltet, dass das Pferd vermehrt über den Rücken, vorwärts-abwärts longiert bzw. von einem möglichst korrekt sitzenden Reiter dahingehend geritten wird. Auch mit chondroitin- oder glucosaminhaltigen Ergänzungsfuttermitteln sowie essenzielle Aminosäuren, Vitamin E und Selen kann man Pferde mit Kissing Spines sinnvoll unterstützen.

Fall dies nicht den gewünschten Erfolg bringen sollte, kann der Tierarzt entzündungshemmende Medikamente an den betroffenen Stellen einspritzen. In sehr seltenen Fällen hilft die operative Entfernung der erkrankten Dornfortsätze mit der anschließenden Gabe von Entzündungshemmern. Da bei starken Veränderungen an den Dornfortsätzen aber meist auch die Gelenkfortsätze am Wirbelkörper schmerzhaft verändert sind, verwirft man den Gedanken an eine Operation rasch wieder. Denn auch nach der Operation an den Dornfortsätzen wird das Pferd starke Probleme haben. 

Quelle: https://www.masterhorse.de/expertentipps/arthrose-gelenke/kissing-spines-beim-pferd

Physiotherapeutische Behandlung

Folgende Physiotherapeutische Maßnahmen können angewendet werden:

·        Massagen
·        aktive & passive Gelenkmobilisation
·        Isometrische Übungen
·        Magnetfeldtherapie
·        Thermotherapie
·        Lichttherapie
·        Lastertherapie
·        Elektrotherapie

Alternative Tiermedizin

·        Blutegel
·        Mykotherapie
·        Homöopathie